Die besten Getreide für Dialysepatienten

Die besten Getreide für Dialysepatienten

✨ Einleitung

Getreide ist ein wichtiger Energielieferant – doch nicht jede Sorte ist für Dialysepatient:innen gleich gut geeignet. Vollkornprodukte enthalten zwar viele Ballaststoffe und Mineralstoffe, sind aber oft reich an Kalium und Phosphat – zwei Mineralien, die bei eingeschränkter Nierenfunktion schnell problematisch werden können. Hier erfährst du, welche Getreidearten besonders kalium- und phosphatarm sind und damit am besten in den Dialyse-Ernährungsplan passen.

Die Top-Getreide für Dialysepatient:innen

Getreide / Pseudogetreide (gekocht) Kalium (mg/100 g) Phosphat (mg/100 g) Ca:P-Verhältnis Dialyse-Eignung
Weißer Reis 35 30 0.33 ✅ sehr gut
Couscous (Hartweizengrieß) 58 44 0.27 ✅ gut
Polenta / Maisgrieß 30 25 0.40 ✅ sehr gut
Hirse 62 47 0.35 ✅ gut, glutenfrei
Reisnudeln 20 15 0.40 ✅ sehr gut
Bulgur 68 50 0.29 ✅ gut
Quinoa 172 152 0.36 ⚠ in kleinen Mengen

Tipps zur Zubereitung

Wer an die Dialyse angeschlossen ist, weiß: Nicht nur Wasser und Salz müssen im Blick bleiben, sondern vor allem auch Kalium und Phosphat. Beide Mineralstoffe sind für den Körper lebenswichtig – doch wenn die Nieren nicht mehr richtig arbeiten, können sie schnell zur Gefahr werden. Zu hohe Werte belasten Herz, Knochen und Gefäße und führen sowohl kurzfristig als auch langfristig zu ernsten Komplikationen.

1. Vollkorn meiden – geschält oder poliert bevorzugen

  • Warum? Vollkorn enthält die Schale und den Keimling des Korns, in denen der größte Teil der Mineralstoffe steckt – darunter leider auch Kalium und Phosphat.
  • Vorteil bei geschälten oder polierten Sorten (z. B. weißer Reis, heller Couscous, polierte Hirse):
    • Deutlich weniger Kalium & Phosphat
    • Leichter verdaulich
    • Neutralerer Geschmack, der sich gut kombinieren lässt
  • Beispiel:
    • Vollkornreis enthält ca. 200–250 mg Phosphat / 100 g → geschälter weißer Reis oft nur 30–40 mg / 100 g.

2. Wässern vor dem Kochen

  • Technik: Getreide in reichlich kaltem Wasser (mindestens das 5–10-fache der Getreidemenge) für 2–3 Stunden einweichen.
  • Wasser nach dem Einweichen komplett wegschütten – nicht zum Kochen verwenden.
  • Effekt:
    • Kalium: Reduktion um ca. 30–40 % möglich, da Kalium wasserlöslich ist.
    • Phosphat: Reduktion meist unter 10 %, da es oft an Phytinsäure gebunden ist und schwer löslich bleibt.
  • Tipp für noch mehr Kaliumverlust: Wässerung in zwei Durchgängen – nach der Hälfte der Zeit Wasser wechseln.

3. Kochtechnik anpassen

  • Offenes Kochen in viel Wasser: Das Kochwasser nimmt weitere Mineralien auf – am Ende komplett abgießen.
  • Dämpfen oder im Reiskocher garen ist für Dialysepatient:innen nicht geeignet, wenn Kalium reduziert werden soll, da das Kochwasser im Produkt verbleibt.
  • Bei Gerichten wie Risotto: Getreide vorher separat wässern und kurz vorkochen, dann Wasser abgießen und erst danach im Rezept weiterverwenden.

4. Phosphat im Blick behalten

  • Auch wenn durch Wässern nur wenig Phosphat entfernt wird, kann die Gesamtaufnahme durch folgende Maßnahmen gesenkt werden:
    • Phosphatbinder (falls vom Arzt verordnet) mit den Mahlzeiten einnehmen
    • Kombination mit calciumreichen, phosphatarmen Lebensmitteln (z. B. Blumenkohl, Brokkoli, Weißkohl – gekocht) zur besseren Bindung im Darm
    • Fertigprodukte meiden, die anorganische Phosphate enthalten (z. B. „E 338“ bis „E 341“ auf der Zutatenliste)

5. Kombination mit kaliumarmen Beilagen

  • Geeignet: Zucchini, Gurke, Paprika, Chinakohl, Eisbergsalat, Kürbis (gekocht)
  • Weniger geeignet: Tomaten, Spinat, Pilze, Avocado – hoher Kaliumgehalt kann den Vorteil der Getreidereduktion zunichtemachen.
  • Kochpraxis:
    • Gemüse ebenfalls wässern oder kurz blanchieren
    • Bei Salaten Gemüse in kleine Stücke schneiden, 1–2 Stunden in Wasser einlegen, abspülen

💡 Zusammenfassung:
Wer Getreide hell statt vollkorn wählt, es mehrstufig wässert und in viel Wasser kocht, kann den Kaliumgehalt deutlich reduzieren.

Phosphat bleibt der kritischere Faktor und erfordert oft zusätzlich eine gezielte Auswahl der Lebensmittel und ggf. den Einsatz von Phosphatbindern.

Warum Kalium und Phosphat bei Dialyse wichtig sind

Wer an die Dialyse angeschlossen ist, weiß: Nicht nur Wasser und Salz müssen im Blick bleiben, sondern vor allem auch Kalium und Phosphat. Beide Mineralstoffe sind für den Körper lebenswichtig – doch wenn die Nieren nicht mehr richtig arbeiten, können sie schnell zur Gefahr werden. Zu hohe Werte belasten Herz, Knochen und Gefäße und führen sowohl kurzfristig als auch langfristig zu ernsten Komplikationen.

Kalium (K⁺)

Kalium ist ein lebenswichtiges Elektrolyt, das vor allem für die Erregungsleitung von Nerven- und Muskelzellen zuständig ist. Es reguliert:

  • Herzrhythmus (Beteiligung an der elektrischen Reizleitung im Herzmuskel)
  • Muskelfunktion (Kontraktion und Entspannung)
  • Flüssigkeitshaushalt in den Zellen

Problem bei Dialysepflicht:
Gesunde Nieren scheiden überschüssiges Kalium kontinuierlich über den Urin aus. Bei eingeschränkter oder fehlender Nierenfunktion kann sich Kalium jedoch im Blut anreichern (Hyperkaliämie).
Akute Folgen können innerhalb von Stunden auftreten:

  • Herzrhythmusstörungen bis hin zum Kammerflimmern
  • Muskelschwäche, Lähmungserscheinungen
  • Kribbeln, Taubheitsgefühle

Langfristig führt eine wiederholte oder chronisch erhöhte Kaliumkonzentration zu:

  • dauerhaften Veränderungen der Herzreizleitung
  • erhöhtem Risiko für plötzlichen Herztod
  • Einschränkung der Belastbarkeit (Muskelermüdung)

Phosphat (PO₄³⁻)

Phosphat ist ein essenzieller Mineralstoff und Bestandteil:

  • der Knochen (als Hydroxylapatit, zusammen mit Calcium)
  • der DNA/RNA (Baustein des Erbguts)
  • des Energiespeichers (ATP – Adenosintriphosphat)
  • von Zellmembranen (Phospholipide)

Problem bei Dialysepflicht:
Phosphat wird in fast allen Lebensmitteln aufgenommen, aber nur unzureichend ausgeschieden, wenn die Nieren nicht richtig arbeiten. Die Folge ist eine Hyperphosphatämie.
Kurzfristig verursacht sie oft keine spürbaren Symptome, langfristig jedoch gravierende Schäden:

  • Verkalkung von Blutgefäßen und Herzklappen (Gefäßverkalkung / Arteriosklerose) → erhöhtes Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko
  • Knochenabbau (renale Osteodystrophie) durch Störung des Calcium-Phosphat-Haushalts
  • Sekundärer Hyperparathyreoidismus (Überfunktion der Nebenschilddrüsen) → verstärkt Knochenabbau und verschlechtert Calciumwerte
  • Gefäßsteifigkeit → hoher Blutdruck, Herzbelastung

Phosphat (PO₄³⁻) → wasserlösliche oder gebundene Form, die tatsächlich in Lebensmitteln vorkommt.

Ziel der Ernährung bei Dialyse:

  • Kalium und Phosphat im optimalen Zielbereich halten, um akute Notfälle (z. B. Herzstillstand) zu verhindern und langfristige Folgeschäden wie Gefäßverkalkungen, Knochenabbau und Herzschwäche zu vermeiden.
  • Das gelingt durch Lebensmittelauswahl, geeignete Zubereitungstechniken (z. B. Wässern) und – falls notwendig – den Einsatz von Phosphatbindern.

Quellen & Studien

Kuratiert: Kalium- & Phosphatgehalte in Getreiden sowie Einfluss von Verarbeitung & Zubereitung.

Nährstoffgehalte & Verarbeitung
  • USDA FoodData Central – Nährwerte gekochter Getreide

    US Department of Agriculture – Datenbank

  • Kalium- und Phosphorgehalte: Weißreis vs. Vollkornreis

    Gibson et al., 2010 – Vergleichsanalyse

  • Mineralstoffgehalte in Pseudogetreiden (Quinoa, Amaranth, Hirse)

    Repo-Carrasco et al., 2003 – Inhaltsstoffanalyse

Einfluss von Wässern & Kochen
  • Effekt von Kochen & Einweichen auf Mineralstoffgehalt von Getreiden

    Oghbaei & Prakash, 2016 – Review

  • Phytatabbau durch Verarbeitung – Auswirkungen auf Mineralstoffverfügbarkeit

    Hurrell, 2003 – Review

Last Updated: 14. August 2025By Tags: , , , , ,